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Streit um Installation einer Parabolantenne: Interessen von Vermieter und Mieter abzuwägen

Bei der Beurteilung der Frage, ob eine Berechtigung zur Installation einer Parabolantenne besteht, ist eine Interessenabwägung zwischen dem Eigentumsrecht des Vermieters und dem Recht des Mieters auf Zugang zu Informationen vorzunehmen. Besteht die Möglichkeit, über eine sogenannte “Set-top-Box” ausländische Sender zu empfangen, ist es im Allgemeinen dem Mieter zuzumuten, die monatlichen Mehrkosten für die Box zu tragen, wenn eine Parabolantenne optisch störend wäre.

Zwei Münchner Mieter hatten auf ihrer Dachterrasse am Geländer eine Parabolantenne fest verankert. Als dies die Vermieterin erfuhr, forderte sie sie auf, diese zu entfernen. Die Mieter wandten ein, sie bräuchten die Antenne, um ausländische Programme zu empfangen, insbesondere solche aus Saudi-Arabien und Marokko. Sie seien zwar deutsche Staatsangehörige, aber syrisch-arabischer Herkunft und wollten auch ihre Kinder zweisprachig erziehen. Die Vermieterin beharrte auf ihrer Forderung. Die Programme könnten auch mit Decodern oder sogenannten Set-top-Boxen empfangen werden. Die Parabolantenne sei weithin sichtbar und wirke störend.

Weil keine Einigung erzielt werden konnte, erhob die Vermieterin Klage vor dem AG München. Die zuständige Richterin gab ihr Recht. Die Vermieterin habe einen Anspruch auf Beseitigung der streitgegenständlichen Parabolantenne. Bei der Beurteilung der Frage, ob nach Treu und Glauben für den Mieter eine Berechtigung zur Installation einer Parabolantenne auf der Terrasse bestehe, müsse eine Interessenabwägung zwischen dem Eigentumsrecht der Vermieterin und dem Recht der Mieter auf Zugang zu Informationen vorgenommen werden.

Auf Seiten der Vermieterin sei bei dieser Abwägung zu berücksichtigen, dass eine optische Beeinträchtigung vorliege. Die Parabolantenne sei in ihrem vollen Umfang von außen weit hin wahrnehmbar, da sie erhöht über dem Geländer an der Dachterrasse angebracht sei. Selbst bei einfach gestalteten Fassaden sei eine derart auffällige Parabolantenne grundsätzlich ein störendes Element. Vorliegend handele es sich um einen modernen Bau neueren Datums, welcher durch die weithin sichtbare Parabolantenne optisch beeinträchtigt würde. Auf Seiten der Beklagten sei dem Recht Rechnung zu tragen, sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert informieren zu können. Dabei sei dem Informationsbedürfnis des Mieters in der Regel hinreichend dadurch Rechnung getragen, wenn der Vermieter dem ausländischen Mieter, auch wenn dieser die deutsche Staatsbürgerschaft erwerbe, ausreichend Zugang zu Programmen in seiner Sprache und aus seinem Heimatland bereitstelle.

Im streitgegenständlichen Anwesen bestehe die Möglichkeit, über den

Kabelbetreiber mit einem Decoder beziehungsweise einer Set-top-

Box auch ausländische Sender zu empfangen. Einem fremdsprachigen Wohnungsnutzer sei es im Allgemeinen zuzumuten, einen solchen Decoder zu erwerben beziehungsweise die monatlichen Mehrkosten von 60 bis 150 Euro für eine Set-top-Box zu tragen. Zu den konkreten Einkommensverhältnissen hätten die Beklagten zwar nichts vorgetragen. Im Hinblick darauf, dass sie den vorliegenden Prozess ohne Prozesskostenhilfe führen könnten, gehe das Gericht aber davon aus, dass die Kosten getragen werden könnten. Falls dies nicht der Fall sei, bestehe im Hinblick auf den grundrechtlich geschützten Anspruch auf Informationsfreiheit die Möglichkeit, bei den Sozialbehörden diese monatlichen Mehrkosten als zusätzliche Leistung zu beantragen. Amtsgericht München, Urteil vom 02.10.12, 473 C 12502/12, rechtskräftig

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