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Werbungskosten: Verzicht auf Kredit gegen den Arbeitgeber kann absetzbar sein

Gewährt ein Angestellter seinem Arbeitgeber ein Darlehen, um hieraus Zinsen zu erwirtschaften, stehen regelmäßig die Kapitaleinkünfte im Vordergrund und ein Verlust der Kreditsumme ist grundsätzlich nicht abziehbar. Abzugrenzen hiervon ist jedoch, wenn der Arbeitnehmer das Verlustrisiko aus beruflichen Gründen bewusst auf sich genommen hat, weil beispielsweise eine Bank zu diesem Zeitpunkt kein Darlehen mehr gewährt hätte. Dann steht nämlich nicht mehr die Erzielung von Zinseinkünften im Vordergrund, sondern die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. In einem solchen Fall kann es dann zu Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit kommen, soweit die Darlehensforderung im Zeitpunkt des Verzichts noch werthaltig ist.

Dieser Tenor ergibt sich aus einem am 16. Februar 2011 vom Bundesfinanzhof veröffentlichten Urteil (Az. VI R 34/08). Im zugrunde liegenden Fall war ein Gesellschafter bei seiner GmbH als Geschäftsführer angestellt. Seine Beteiligungsquote war allerdings nur gering, sodass er lediglich als Kleingesellschafter ohne wesentliche Einflussnahme auf wichtige Entscheidungen der GmbH fungierte. Die GmbH ließ sich von ihren Gesellschaftern für einen beabsichtigten Börsengang Liquiditätshilfedarlehen in erheblichem Umfang gewähren. Anschließend scheiterte der Börsengang und die GmbH benötigte Kapital, weil sich dies eben nicht über die Börse einsammeln ließ. Aus diesem Grund forderten die Großgesellschafter mit Nachdruck und unter Hinweis auf die sonst drohende Insolvenz und Arbeitsplatzverluste, dass die verbliebenen Kleingesellschafter auf ihre Gesellschafterdarlehen verzichteten. Dieser Aufforderung folgt auch der Kleingesellschafter und verzichtete auf seine Darlehensrückzahlungsansprüche über gut 80.000 Euro. Im Rahmen seiner Einkommensteuerveranlagung kann er den Darlehensverlust dann erfolgreich als Werbungskosten geltend machen, wenn er als Begründung angibt, den Verzicht zur Rettung seines Arbeitsplatzes erklärt zu haben. Denn insoweit liegt die Ursache eher im Arbeitsverhältnis (Furcht vor Entlassung) als in seiner Gesellschafterstellung (Erzielung von Beteiligungserträgen).

Zwar ist der Bundesfinanzhof der Auffassung, dass die Darlehensgewährung selbst nicht den Werbungskostenabzug rechtfertigen kann, weil sie noch nicht dem Arbeitsverhältnis zugeordnet werden kann. Der Kredit hat seinen Ursprung nämlich in der Tatsache, dass es sich um ein Geschäft zwischen GmbH und ihrem Gesellschafter handelt. Dennoch schließen es die Richter nicht aus, dass der vom Geschäftsführer später erklärte Verzicht auf das Darlehen tatsächlich zur Rettung des Arbeitsplatzes erklärt worden ist und insoweit das Gesellschaftsverhältnis in den Hintergrund tritt.

Die Richter haben den Fall jetzt im zweiten Rechtsgang an die Vorinstanz zurückverwiesen. Das Finanzgericht Düsseldorf muss noch einmal prüfen, welchen Wert die Darlehensforderung im Zeitpunkt des Verzichts noch gehabt hatte und ob der zum späteren Zeitpunkt ausgesprochene Verzicht auf die Rückzahlung eine selbstständig zu würdigende Finanzierungsmaßnahme darstellt.

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