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Nachbarstreit: Rechtsanwalt sollte erst nach Gespräch mit dem Nachbarn eingeschaltet werden

Vor der Einschaltung eines Rechtsanwaltes muss erst einmal versucht werden, die Angelegenheit in einem Gespräch zu regeln. Wer dies nicht tut, muss gegebenenfalls die Rechtsanwaltskosten selbst bezahlen. Vorsicht geboten ist auch bei Einholung eines teuren Sachverständigengutachtens. Zuvor sollte geprüft werden, ob die Schadenshöhe nicht auch durch Einholung eines Kostenvoranschlages ermittelt werden kann. Hierauf weist das Amtsgericht (AG) München hin.

In dem zugrunde liegenden Fall war zwischen zwei Nachbarn ein Streit entbrannt. Hintergrund war, dass der eine Nachbar am Dach seiner Garage, die unmittelbar an die Garage des anderen Nachbarn grenzt, Reparaturarbeiten vornehmen ließ. Dabei wurden quer über das Dach Bitumenbahnen verlegt, die auch auf das Dach der Garage des Nachbarn reichten. Dieser forderte die Entfernung der Bitumenbahnen und drohte an, diese gegebenenfalls durch eine Fachfirma beseitigen zu lassen. Als der Eigentümer des anderen Grundstücks dem nicht nachkam, schaltete er einen Rechtsanwalt ein und ließ ein Sachverständigengutachten erstellen. Im weiteren Verlauf kam es zu einem Schlichtungsgespräch, dass allerdings zu keiner Einigung führte. Zwei Monate später entfernte der Nachbar die Bitumenbahnen dann aber doch.

Zwischenzeitlich errichtete er aber auch auf seiner Hofeinfahrt eine Pergola, deren Querbalken auf das Grundstück des Nachbarn ragten. Hier schaltete dieser gleich seinen Anwalt ein, der den Grundstückseigentümer zur Kürzung der Querbalken aufforderte, was dieser dann auch tat.

Nachdem die Streitereien mittlerweile einiges an Geld gekostet hatten (649 Euro Gutachterkosten, 142 Euro Kosten für das Schlichtungsverfahren, 489 Euro Rechtsanwaltskosten für beide Streitigkeiten), wollte der geschädigte Nachbar diese ersetzt bekommen. Dies lehnte die andere Seite ab. Das AG München sprach nur einen Teil der Forderung zu. Natürlich habe der Beklagte das Eigentum seines Nachbarn verletzt, in dem er die Bitumenbahnen so angebracht habe, dass sie auch auf das Dach der anderen Garage reichten. Nachdem er im Vorfeld auch abgelehnt habe, diese zu entfernen, sei es auch gerechtfertigt gewesen, einen Anwalt einzuschalten. Dessen Kosten in Höhe von 83 Euro bekomme er ersetzt, genauso wie die Kosten für den Einigungsversuch. Die Kosten für das Sachverständigengutachten könne er aber nicht geltend machen. Sie seien nicht notwendig gewesen. Es habe die kostengünstigere Möglichkeit bestanden, einen Kostenvoranschlag für die Beseitigung der Bahnen einzuholen. Aufgrund der Schadensminderungspflicht des Klägers hätte er daher diesen Weg bestreiten müssen. Die Kosten seines Rechtsanwalts bezüglich des zweiten Streitpunktes könne er ebenfalls nicht verlangen. Hier habe nach Errichtung der Pergola kein Gespräch zwischen den Nachbarn stattgefunden. Dies wäre aber erforderlich gewesen. Auch wenn der Beklagte zunächst die Bitumenbahnen nicht beseitigt habe, könne man daraus nicht schließen, dass er auch die Kürzung der Querbalken verweigere. Zumindest eine kurze persönliche Aufforderung wäre nach Ansicht des AG zumutbar gewesen.

Amtsgericht München, Urteil vom 29.07.2011, 244 C 5430/11, rechtskräftig

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